Nicht wahr, Tante?“, „Wir waren gottvertrauender als Du,“ antwortete diese; „wir wußten, daß, wenn die gütige Vorsehung es so lenken wollte, daß – ob wir nun Nachrichten erhielten oder keine – Dein Vater zu uns zurückkehren würde.“. „Versündige Dich nicht, Martha,“ ermahnte die Tante; „der liebe Gott und seine Heiligen werden Dich nicht auf unser Flehen hin gerettet haben, um Dich dann so heimzusuchen. [262] wollen die nun? – Weißt Du, Friedrich, daß ich sehr unglücklich gewesen wäre – Dir aber doch verziehen hätte. Und während die neue Verschanzung fällt, hat sich die alte wieder aufgerichtet. Wenn Du wiederkommst …“. Friedrich hatte nunmehr Beschäftigung im Kriegsministerium, eine Thätigkeit, die er dem Kasernendienst jedenfalls vorzog. – Vaterlandsverteidiger: das ist der schön klingende Titel, mit welchem der Soldat geschmückt wird. … O unser tapferes Heer … Eine unerhörte Großthat! Und falls das Unglück der gefährlichen Trennung noch zum Unglück der ewigen Trennung sich steigerte – sollte Friedrich fallen – so war mir die Staatsraison, wegen welcher dieser Krieg geführt werden mußte, nicht im entferntesten erhaben und heilig dünkend genug, um solches Opfer aufzuwiegen. In hundert Jahren ist’s doch einerlei, ob wir lang oder ob wir kurz gelebt. Wir waren keine unabhängigen Tante Marie blieb zurück; sie wollte mich weiter pflegen und dann mit mir zugleich nach Grumitz fahren, wohin uns Rosa und Lilli schon vorangegangen waren. Ohne Beweise würden Sie einem anonymen Brief ohnehin keinen Glauben schenken. Die Feldpost funktioniert nicht immer regelmäßig; da kann man leicht vierzehn Tage nachrichtslos bleiben, ohne daß dies Schlimmes bedeutet. Tante Korneliens einzigen Sohn. „Ob nicht schon längst die Todesnachricht da ist – und ihr sie mir verhehlet?“, „Bei Deinem Glauben? Er trug uns an, wir möchten uns bei ihm niederlassen, da er genügend Raum dazu hätte; wir zogen es aber vor, allein zu leben, und mieteten am Franz-Joseph-Quai ein kleines Mezzanin. Im vierten Buche spielen die Götter wieder eine Rolle. Nicht Dezember 2015 um 12:16 Uhr bearbeitet. 1865. Wenn wir abrüsten, wer weiß, ob jene abrüsten? Was uns also begeistern soll, wenn wir zu Felde ziehen, ist nicht der Umstand, daß wir für Deutsche und mit Deutschen kämpfen, sondern daß wir unserem erhabenen und geliebten Kriegsherrn Heeresfolge leisten dürfen. Es galt als ausgemacht, daß wir in einer zweiten Auflage des Honigmondes uns befanden und uns Einsamkeit gebühre. Einmal, weil es mir schrecklich leid gethan hätte, ein Leben zu verlieren, das mir so reich an Das Land war verwüstet worden, die Saaten zertreten, dessen Söhne getötet: einiger Ersatz gebührte ihm doch – nun denn: es durfte die Kriegskosten tragen. So viel konnten sie mir sagen: Friedrich war bis jetzt unversehrt. Gablenz weicht ohne Schwertstreich, aber unter Protest zurück. Es finden sich nämlich in meinem Tagebuch keine weitläufigen Eintragungen darüber, und auch mein Gedächtnis – das seither so viel tiefer schmerzende Eindrücke aufgenommen hat – weist von diesen Vorfällen keine sehr lebhaften Spuren mehr auf. [250] über Ausdauer. Aber so unmerklich langsam, daß eine kleine Spanne Zeit, wie ein Jahr, kein sichtbares Vorwärtsschreiten aufweisen kann.“, „Wenn Ihr so fest an den ewigen Fortschritt glaubt,“ warf mein Vater ein. Ich erlaubte mir sogar eine Entgegnung: „Nein, lieber Vater – für die Italiener und für die Preußen ist heute auch Neujahr … da wollen wir ihnen kein Verderben wünschen. Ich sollte, sobald ich hierzu die nötigen Kräfte zurückerlangt, ihm dorthin mit meinem kleinen Rudolf folgen. In einem andern Brief erzählte Friedrich, daß er mit seinem Vetter Gottfried zusammengetroffen: „Stelle Dir vor, welche Überraschung: Wen sehe ich an der Spitze eines Detachements an mir vorüber reiten? Wilhelm Meisters Lehrjahre | von Goethe Johann Wolfgang | download | Z-Library. Oder hast Du noch immer Verdacht?“, [267] „Schon seitdem Du mir ins Auge gesehen hast – nicht mehr. Daneben aber schrieb ich verzagt, zwischen Klammern: „Utopia“. Du hättest in Zwei Tage ohne Nachricht: was ist das? Dieselbe ist doch sehr bedenklich.“. Um zehn Uhr morgens sollte das Regiment ausrücken. Lange nachher als auch schon die anderen groÃen Meister griechischer Dichtkunst und Beredsamkeit aufgestanden waren, begann man allmählich diese Schätze der Litteratur mit gelehrtem Eifer zu studieren und aus ihnen die Gesetze und Regeln oder die sogenannte »Theorie« der Kunst zu ziehen. Die Schleswig-Holsteiner haben jetzt große Lust, die Preußen – die ‚arroganten‘, denn das sind wir, dem neuesten Schlagwort gemäß – wieder ganz los zu werden. Es versteht sich, daà dergleichen damals wenigstens von dem aufgeklärten Teile der Griechen längst nicht mehr geglaubt wurde; allein Homer hatte diese Wunderdinge, und da Homer das beste Heldengedicht gemacht hatte, glaubte ihm Apollonios auch hierin nachahmen zu müssen. Die Ströme von Blut, welche eure und meine Väter unter Friedrich Februar 1865 formuliert es endlich seine Ansprüche dahin: Preußische Truppen bleiben in den Landen; die letzteren haben ihre Wehrkraft zu Wasser und zu Land mit Ausnahme eines Bundeskontingents Preußen zur Verfügung zu stellen. Mai 1784 geboren. Nur ein Mittel gab es, mich für einige Momente zu beruhigen. Seitdem aber die beiden groÃen Gesänge, Ilias und Odyssee, auf diese Weise zu einem Buche geworden waren, vervielfältigten sich allmählich die Abschriften derselben, und es ward noch lange nachher von späteren Händen (namentlich den Gelehrten in Alexandrien) daran gebessert und gefeilt, um die einzelnen Teile in ein besseres Verhältnis untereinander zu bringen und das Ganze mehr abzurunden.«, »Lange Zeit las man nun in Griechenland den Homer und lernte ihn auswendig, ohne daran zu denken ihn nachzuahmen, Dazu ehrte man ihn teils zu hoch, teils glaubte man, die Zeit, in welcher solche epische Dichtungen gleichsam naturwüchsig aus dem SchoÃe des Volks hervorgehen könnten, sei ein für allemal vorüber. Folgendes, so erfuhr ich, waren die Artikel der eben im Gang befindlichen Friedensunterhandlungen: 1) „Dänemark tritt die Herzogtümer an Österreich und Preußen ab.“. Das kann noch zu allerlei Verwickelungen Anlaß geben. Jetzt schrieb und telegraphierte er nicht mehr und reiste Tag und Nacht, um so schnell als möglich anzukommen. – Aber wozu denn dieses Waffengeklirre, wenn man nicht angreifen will? Mein Pferd ist gesattelt – jetzt heißt es, diese Zeilen schließen. Diesen Kreis bildete eine Reihe von Dichtern, die man eben daher kyklische Dichter genannt hat; denn das griechische Wort Kyklos bedeutet so viel als Kreis. Er riß die Glocke und gab Alarm: „Augenblicklich zum Arzt, zur Wärterin!“ rief er der herbeigeeilten Dienerin zu. „Warum schlägt man sich denn eigentlich dort droben,“ fragte ich ihn während des letzten Krieges. Wie viel Jammer- und Wehgeheul hat diesen drei Stimmen als Echo nachgedröhnt! Ein herziges Bürschchen, mein Bruder, und des Vaters Liebling und Stolz. Nicht vom selben Standpunkt, wie diese Herren; doch war mir daran gelegen, die „dänische Frage“, deren Ursprung und Verlauf ich anläßlich des Krieges so aufmerksam studiert hatte, bis zu ihrem endgültigen Abschluß zu verfolgen. … Jetzt danket alle Gott.“ Und in sämtlichen Kirchen Absingung des Tedeums; unter den Militärkapellmeistern emsiges Komponieren von „Düppelerschanzenmarsch“, „Sturm von Düppel-Galopp“ und so weiter. Wenn ich mich für einen Moment in das Angstgefühl zurück versetzte, welches mich vor Friedrichs Rückkunft erfüllte, oder mir die Bilder herauf beschwor, welche meine Fiebernächte gequält hatten – Friedrich, allerlei Todesqual erleidend – und mich dann an seinem Anblick weidete, so jubelte mir das Herz. Und seitdem sie zumal gehört, es gebe einen lateinischen Dichter, Namens Vergilius, der ein ebenso bekanntes Heldengedicht als die Iliade und Odyssee gedichtet habe, da war Vergil! Rüsten wir nur immer zu. Die Gedanken schwirrten mir im Kopfe … Mein Friedrich, mein alles, mein Freund und Gatte, mein Vertrauter und Geliebter – könnte er mir verloren sein? Ich war gerettet; ihm sollte die große Freude werden, mich lebend zu finden, wenn – – immer dieses „wenn“ – dieses jede Zukunftshoffnung in der Knospe erstickende „wenn“! Ich genas nicht so schnell, als man anfangs gehofft. [287] z. 1 und 2. Fernsehen (Abk.) Italiener und Däne liefen vergnügt davon, und das Wimmern wurde jetzt von unserem kleinen Landsmann besorgt. In welcher Stimmung mag er wohl geschieden sein? Es war eines jener leichtsinnigen deutschen Liebesliedchen, deren die Deutschen so wenig, die Franzosen soviel, die Spanier gar keine haben, in denen Liebe und Liebchen gutmütig verspottet werden. Dich jetzt lassen zu müssen, in einer solchen Zeit –“, „Friedrich, Friedrich, wir sehen uns nimmer – ich werde sterben …“, Es war ein herzzerreißender Abschied, der diese letzten vierundzwanzig Stunden füllte … Das war nun das zweite Mal im Leben, daß ich einen teuren Gatten zu Felde ziehen sah. Ich lehnte mich zurück und schloß die Augen. So oft mir etwas von den Dingen einfiel, aus welchen mein Glück zusammengesetzt war – vor allem der Besitz des[WS 1] mir täglich teurer werdenden Gatten, – so oft mußte ich auch an die Unsicherheit denken, an die unmittelbare Gefahr, welche der in Aussicht stehende Krieg über mein Glück verhängte. Ähnlich dem Glücke bei der Wiedervereinigung nach dem Schleswig-Holsteiner Kriege, aber doch anders. Der Sproß einer langen Reihe von Kriegern muß naturgemäß kriegerische Anlagen zur Welt bringen. Find books Das alles konnte ich mir zwar damals, wenn ich mit meinem Vater über das Thema Krieg und Frieden stritt, nicht so ganz klar machen; erst später habe ich mir angewöhnt, den Verrichtungen des Geistes im eigenen und im Kopfe anderer beobachtend nachzuspüren. „Warum hast Du bei der ersten Hälfte meines Toastes nicht angestoßen, Martha?“, „Weil ich von einem Feldzug nichts anderes wünschen kann, als daß er – unterbleibe.“. Meinem Vater und den Anderen wollten wir von unseren Plänen vorläufig noch nichts mitteilen. Alles jetzt erschallende Hurrah samt dem begleitenden Kanonendonner würde dann durch den Schlachtruf der nach Menschlichkeit lechzenden Menschheit übertönt, durch das siegesgewisse: „Krieg dem Kriege!“, „Obiges schrieb ich gestern nachts. Ich weiß nur, daß mir hauptsächlich um das schöne Luftschloß leid war, welches wir uns da gebaut hatten: Quittierung, Gutsankauf, unabhängige, von der sogenannten „Welt“ abgeschiedene Existenz; im übrigen traf mich der Verlust nicht gar so schwer. Mit einem Schlag war es mir Es heißt, das Londoner Protokoll müsse respektiert werden. Damit Du nun dieses Phänomen desto besser schätzen lernen mögest, ist der ganze Spaß gemacht worden.“, „Du weißt doch: nachdem der Brief samt Einlage von mir kommt –“. Während bei uns allgemeine Begeisterung für die Idee eines Krieges mit Preußen herrscht, und mit Stolz auf unsere „Million auserlesener Soldaten“ geblickt wird, herrscht drüben innere Zerfahrenheit. Zu dieser gehört vor allem Lebensverachtung. Das habe ich mir dem armen Konrad gegenüber schon so angewöhnt, daß, wenn er das bekannte: „Willst Du nicht doch meine Frau werden, Lilli?“ vorbringt, meine Zunge ganz von selber antwortet: „Fällt mir gar nicht ein.“ Diesmal aber habe ich hinzugefügt: „Frage in sechs Monaten nochmals an.“ Ich werde nämlich den Sommer über mein Herz prüfen. – das ist ein Fragwort, welches an Kaiser oder Papst zu richten, an sich schon hochverräterisch und lästerlich ist, welches dort als Irreligiosität und hier als Illoyalität gilt und welches nie beantwortet zu werden braucht …. die Zerstörung Trojas!« riefen die Kinder. Mit Spannung folgte ich nunmehr der Entwickelung der politischen Ereignisse und den darüber in Zeitungen und Gesprächen kursierenden Meinungen und Vorhersagungen. Da steckt wohl wieder irgend eine verborgene „Staatsraison“ dahinter … Als Dogma muß man festhalten: Was die Herren am grünen Diplomatentisch entscheiden, das ist die höchste Weisheit Doch wahrlich kein Grund zur Besorgnis. Als der Tag zu grauen begann, fielen mir die thränenmüden Augen zu. Nun aber, zweihundert Jahre später, wird das Land einer jüngeren Linie des Königshauses zugeteilt und gilt nur noch als ein dänisches Fahnenlehen.